Don Juan und FaustChristian Dietrich Grabbe Aufführungen Oktober - Dezember 2000
[Bilder] [Mehr zum Autor] [Kurzbiografie] [Kritik] Regie:
Marcus Strahl
Spieltermine:
Marcus Strahl: Gedanken zur Inszenierung Warum
wurde das Stück in den letzten vierzig Jahren so gut wie nie gespielt? Formal war es ein "Klassiker" des Klassizismus im besten Sinne. Sprachlich war es von einer unerhörten Schönheit, spannend war es bis zur letzten Seite und dramaturgisch war nicht nur nichts daran auszusetzen, sondern es faszinierte sogar, wie Grabbe behutsam, ja gerade zärtlich, Szenen, die man von den beiden Meistern Goethe und Mozart kennt, nicht kopiert, sondern sie in seine persönliche Sprache und Sichtweise übersetzt, um dann plötzlich einen völlig eigenen Handlungsstrang zu entwickeln. Nein, am Stück konnte es nicht liegen - vielleicht war es die Achtung, die Demut vor diesen beiden Titanen, die viele zurückschrecken ließ, sich an das Thema dieses Weltenstürmer-Dramas, das schon zu seiner Zeit als Spinnerei abgetan wurde, heranzuwagen!? Dabei bietet dieses Werk auch, um es mit den Worten von Gabriella Lorenz zu sagen, die Chance es als "komplexes Psychogramm unseres postmodernen Zeitalters" zu sehen: Zwei Männer-Mythen werden von Grabbe zum Bühnenkampf um dieselbe Frau gezwungen, Faust, der sich zum Weltschöpfer aufschwingen möchte und Don Juan, dessen einziges Credo der Hedonismus ist. In ihrer radikalen Amoral verkörpern beide die Widersprüchlichkeit des modernen Menschen, die sich ergänzenden Gegensätze von Licht und Schatten, Narzismus und Zerstörungswillen, Tod und Lust, Gott und Teufel- zwei Seelen, ach!, in einer Brust. Grabbe führt die beiden aber zu keinem geistigen Zweikampf zusammen - jeder verteidigt unbelehrbar seinen Standpunkt bis zum bitteren Ende - so mag der Zuschauer entscheiden, wer von beiden in seinem Scheitern die Arena als Sieger verlässt! | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|